Bauanleitung: Varroaboden

Bauanleitung: Varroaboden
Letzte Bearbeitung: 22.07.2010
© Erhard Maria Klein (alle Rechte vorbehalten)
Quelle: www.bienenkiste.de
Was ist ein Varroaboden?
Bei der Bienenkiste ist bewußt keine Varroa-Kontrollmöglichkeit vorgesehen. Wir wollen die Konstruktion und Betriebsanleitung so einfach wie möglich halten. Wir setzen auf eine "Geradeaus-Behandlung" gegen die Varroamilbe - d.h. wir behandeln das Bienenvolk mit Ameisensäure und Oxalsäure nach einem festen Schema und gehen davon aus, dass das im Normalfall für eine gute Überwinterung reicht. Durch unsere naturnahe und extensive Art der Bienenhaltung und die Schwarmvermehrung sollten die Bienenvölker stärkere eigene Abwehrkräfte haben, als in der konventionellen Bienenhaltung.
Wir haben in den vergangegen Jahren gute Erfahrungen mit dieser Strategie gemacht. Dennoch werden wir dieses Thema genau im Blick behalten und nötigenfalls die Empfehlungen zur Varroabehandlung ergänzen.
Wer selbst auf Nummer sicher gehen will, kann sich aber mit einfachen Mitteln einen Varroaboden bauen, um besser den Varroamilben-Befall in der Bienenkiste abschätzen und behandeln zu können.

Bienenkiste mit Varroaboden und Windel.
Das Prinzip eines Varroabodens ist simpel: Zwischen dem Boden der Bienenkiste und den Waben kommt ein Gitternetz, durch die die toten Varroamilben durchfallen können, aber keine Bienen hindurchpassen. Das ist wichtig, weil die Bienen die toten Milben sonst ausräumen würden. Unter das Gitter kommt eine sogenannte "Windel". Das ist eine dünne Platte oder starre Folie o.ä. - nach Möglichkeit weiß. Auf der Windel landet dann das "Gemüll". Das ist alles, was den Bienen bei der Arbeit runter fällt, hauptsächlich Wachskrümel und Pollen. Wenn man nun die Windel regelmäßig kontrolliert, kann man auch die toten Milben sehen, die eines natürlichen Todes sterben ("natürlicher Totenfall"). Nach einer Varroabehandlung sieht man zudem, wie gut der Wirkungsgrad der Behandlung war.
Ameisen und Ohrenkneifer können das Ergebnis aber verfälschen, weil sie u.U. die toten Milben beseitigen. Man braucht daher etwas Erfahrung, um den Milben-Totenfall richtig deuten zu können.
Bauanleitung
- Rahmenholz 44 × 19 mm Fichte
- 2 × 1050 mm
- 2 × 410 mm - 4 Winkel 50 × 15 mm
- 8 Senkkopfschrauben 3,0 x 20 mm
- Metallschlaufen ("Krampen") 1,6 × 16 mm
- Gittergewebe, Kunststoff, gelb, 3 mm Maschenweite (1000 × 500 mm)
- dünne Holz- oder Kunststoffplatte als Windel (900 × 400 mm)

Winkel 
Schlaufen
Die Holzleisten werden mit den Winkeln zu einem flachen Rahmen verbunden und von einer Seite mit dem Gittergewebe bespannt: s. Bildergalerie
Anwendung
Nach der Honigernte, spätestens ab August, wird der Rahmen zwischen Boden und Kiste mit dem Gittergewebe nach oben gelegt. Dazu sind zwei Personen nötig: Zu zweit wird das Oberteil der Kiste vom Boden horizontal abgehoben und zur Seite gestellt. Achten Sie dabei darauf, dass das Wabenwerk nicht beschädigt wird. Stellen Sie die Kiste z.B. auf zwei Holzbohlen. Die Windel und der Varroaboden werden auf den Boden der Bienenkiste gelegt und anschließend die Kiste wieder zu zweit herauf gehoben. Achten Sie darauf, dass die Konstruktion weiterhin bienendicht ist und keine Spalte vorhanden sind, durch die Bienen schlüpfen können.
So lange der Varroaboden zwischen Boden und Kiste liegt, kann die Kiste nicht mehr durch Kippen geöffnet werden! Das ist aber zu diesem Zeitpunkt eigentlich auch nicht mehr nötig.
Zur Kontrolle wird der Varroaboden hinten mit dem Stockmeißel etwas vom Kistenboden angehoben. Der Spalt wird durch zwei eingeschobene Holzleisten rechts und links offen gehalten und die Windel wird vorsichtig herausgezogen. Nach dem Zählen der Varroamilben wird die Windel gereinigt und wieder eingeschoben.
Interpretation des Milben-Totenfalls im Sommer
Ende Juli/Anfang August wird über einen Zeitraum von zwei Wochen mehrmals der Milben-Totenfall ermittelt und dann der tägliche Durchschnitt über zwei Wochen errechnet.
| Anzahl Milben pro Tag | Konsequenz |
|---|---|
| < 1 | keine Ameisensäurebehandlung erforderlich |
| < 5 | eine Ameisensäurebehandlung nach der Honigernte reicht |
| > 5 | zweite Ameisensäurebehandlung nach der Auffütterung erforderlich! |
Interpretation des Milben-Totenfalls im Winter
In den ersten drei Wochen nach der Oxalsäure-Behandlung erkennen Sie am Milben-Totenfall, ob die Behandlung überhaupt gewirkt hat und wie viele Milben nach der Ameisensäure-Behandlung im Sommer noch vorhanden waren.
Nach drei bis vier Wochen wird die Windel gesäubert und über einen Zeitraum von zwei Wochen mehrmals der Milben-Totenfall ermittelt und dann der tägliche Durchschnitt über zwei Wochen errechnet. Ziel ist ein natürlicher Milben-Totenfall von weniger als 0,5 pro Tag.



