Weitere Informationen

Die Puderzuckermethode ist vom Bieneninstitut Kirchhain entwickelt worden:

Original-Anleitung des Bieneninstituts Kirchhain
Artikel in der ADIZ/db/IF 8/2011

Bezugsquellen

Fertiger Schüttelbecher
Mellifera-Shop

Varroadiagnose mit Puderzucker

Die Bienenkiste

Varroadiagnose mit Puderzucker

Letzte Bearbeitung: 08.08.2015
© Erhard Maria Klein (alle Rechte vorbehalten)
Quelle: www.bienenkiste.de


Die Puderzucker-Diagnose ist eine genaue und bienenschonende Art, die Milbenbelastung in der Bienenkiste zu bestimmen. So können Sie in der kritischen Zeit zwischen Mitte Juli und Anfang September sicher herausfinden, wie stark Ihr Bienenvolk mit Varroamilben belastet ist und ob eine Varroabehandlung mit Ameisensäure notwendig ist. Diesjährige, gerade einlogierte Schwärme und Bienenvölker, die in diesem Jahr einen Schwarm abgegeben haben, müssen nicht in jedem Fall mit Ameisensäure behandelt werden. Um überflüssige Behandlungen zu sparen (und die Bienen nicht so stark zu belasten), ist es daher ratsam, erst die Milbenbelastung zu kontrollieren und nur dann zu behandeln, wenn es wirklich nötig ist.

Nach der Varroadiagnose: Die bepuderten Bienen werden in den hinteren Raum zurückgeschüttet und dort von ihren Schwestern wieder sauber geschleckt.
Nach der Varroadiagnose: Die bepuderten Bienen werden in den hinteren Raum zurückgeschüttet und dort von ihren Schwestern wieder sauber geschleckt.

Reinvasion

Es droht außerdem die Gefahr der "Reinvasion". Wenn im Flugradius Ihrer Bienen andere, schlecht betreute Bienenvölker an ihrer Varroabelastung zugrunde gehen, kann es sein, dass Ihre fitten Bienen dieses Bienenvolk ausräubern und dann auch die ganzen Varromilben mit heimbringen. Ihr unbelastetes, gut betreutes Bienenvolk kann so innerhalb weniger Wochen doch noch ein Opfer der Varroa werden. Sie können sich daher nicht in Sicherheit wiegen, wenn Sie eine Behandlung Ende Juli gemacht haben oder zu dieser Zeit festgestellt haben, dass die Milbenbelastung nur gering ist. Im Idelfall prüfen Sie die Milbenbelastung direkt nach der Honigernte und dann noch zwei Mal im Abstand von ca. drei Wochen.

Ausrüstung


aus einem 1kg-Joghurtbecher wird ein Schüttelbecher
Sie müssen sich dafür einmalig einen Schüttelbecher anfertigen oder kaufen (gibt's im Mellifera-Onlineshop). Das ist ein stabiler Behälter mit mindestens 750 Milliliter Volumen, der auf der einen Seite einen abnehmbaren Deckel hat, in den möglichst großflächig ein Gittergewebe (z. B. Kunststoffgitter für Varroaböden aus dem Imkerbedarf, Maschenweite etwa 3 mm) eingesetzt ist. Sie können z. B. einen wiederverschließbaren 1-kg-Joghurteimer nehmen, ein möglichst großes Loch in den Deckel hineinschneiden und das Gitter mit Heißkleber einkleben oder einschmelzen. Etwas stabiler ist ein Clip&Close-Becher.


Küchenwaage zur Bestimmung des Bienengewichts
Als weitere Ausrüstung brauchen Sie trockenen(!) Puderzucker und eine Küchenwaage, außerdem einen Esslöffel, ein Sieb (z.B. Einhand-Mehlsieb), eine möglichst helle Schüssel und einstabiles Stück Folie oder eine große Plastikkiste oder -wanne. Die Puderzuckermethode liefert nur bei trockenem Wetter zuverlässige Ergebnisse. Auch der Puderzucker und die Bienen müssen absolut trocken sein. Deshalb müssen Sie die Bienenprobe auch möglichst sofort bepudern und nicht erst lange stehen lassen (Bienen können schwitzen).

So geht's


Bienen vom Bodenbrett abstoßen und anschließend in den Schüttelbecher füllen.
Zur Bestimmung der Milbenbelastung stellen Sie die Bienenkiste aufrecht, nehmen den Boden ab und stoßen die auf dem Bodenbrett sitzenden Bienen auf die Folie oder in eine Plastikkiste. Wenn Sie das Brett einfach senkrecht halten und eine ruckartige Bewegung nach unten und oben machen, fallen alle Bienen vom Brett auf den Boden. Nehmen Sie die Folie zusammen oder stoßen Sie die Plastikkiste einmal mit der Ecke auf und schütten Sie etwa 50 Gramm Bienen in den Schüttelbecher. Nun wird der Becher mit dem Deckel verschlossen und das genaue Bienengewicht mithilfe der Waage bestimmt (vorher das Leergewicht des Schüttelbechers notieren). Es kommt nicht so genau auf die Bienenmenge an. Sie müssen nur die Angaben in der folgenden Tabelle entsprechend umrechnen.

Gefühlvoll-kräftig schütteln. Keine Sorge! Die Bienen überstehen die Prozedur gut.
Gefühlvoll-kräftig schütteln. Keine Sorge! Die Bienen überstehen die Prozedur gut.
Geben Sie bei 50 Gramm Bienen etwa drei gehäufte Esslöffel gesiebten, trockenen Puderzucker durch das Gitterwegewebe hindurch auf die Bienen und warten Sie ca. drei Minuten. Anschließend wird der Schüttelbecher umgedreht und eine Minute lang der gesamte Puderzucker durch das Gitter herausgeschüttelt, in dem Sie den Becher wie einen Cocktailshaker auf und ab bewegen. Mit dem Puderzucker fallen alle aufsitzenden Varroamilben von den Bienen ab. Auch wenn das Schütteln etwas brutal wirkt, überstehen die Bienen die Prozedur gut, wenn Sie nicht zu kräftig, sondern mit etwas Gefühl schütteln. Sie können die bepuderten Bienen anschließend einfach wieder in den hinteren Raum der Bienenkiste zurück schütten. Sie werden von ihren Schwestern wieder sauber geputzt.

Auswertung

Die Milben sind im Puderzucker schwer zu erkennen. Die einfachste Methode, sie sichtbar zu machen, besteht darin, den Schüttelbecher über einer hellen Schüssel auszuschütteln und anschließend einfach reichlich Wasser hinzuzugeben. Der Zucker löst sich auf und die etwa 1,5 mm großen, ovalen, braun gefärbten Varroamilben können in der klaren Flüssigkeit gezählt werden. Ihre Anzahl im Verhältnis zur Bienenmenge gibt Aufschluss darüber, ob eine Behandlung mit Ameisensäure nötig ist:

Handlungsbedarf
(bezogen auf 50 g Bienen)
JuliAugustSeptember
Volk vorerst ungefährdet< 5 Milben< 10 Milben< 15 Milben
Behandlung in nächster Zeit erforderlich5 - 25 Milben10 - 25 Milben15 - 25 Milben
Schadschwelle überschritten
unverzüglich mit Ameisensäure behandeln!
über 25 Milben

Fotogalerie: Varroadiagnose mit Puderzucker

Herstellung eines Schüttelbechers aus einem 1-Kilo-Joghurtbecher und Durchführung der Untersuchung.
Weitere Informationen zur Varroadiagnose mit Puderzucker...

Material und Werkzeug
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großes Loch in Deckel schneiden
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Varroagitter mit Heißkleber einkleben
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Leergewicht des Schüttelbechers bestimmen
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Bienen vom Bodenbrett auf eine Folie oder in eine Schüssel abstoßen und in den Schüttelbecher füllen.
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Bienengewicht bestimmen (Leergewicht des Schüttelbechers abziehen)
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trockenen Puderzucker hineingeben ...
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... z.B. mit einem Einhand-Mehlsieb, bzw. Schnellsieb
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ca. drei Minuten warten, mehrmals leicht schütteln, dass sich der Puderzucker gut verteilt.
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ganz kräftig ca. eine Minute lang den gesamten Puderzucker herausschütteln - das geht sehr gut in einen zweiten, gleichgroßen Joghurtbecher
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Den Puderzucker in Wasser auflösen um die Varroamilben besser sehen zu können und sie zählen.
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Bienen in den hinteren Raum zurückschütten. Sie überstehen die Prozedur ohne Schaden und werden von ihren Schwestern sauber geschleckt.
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Fotogalerie: Varroadiagnose mit Puderzucker: Schüttelbecher II

Eine Variante des Schüttelbechers: Statt ein Gitter einzukleben verwende ich einen "Clip&Close" Becher von Emsa (2 Liter).
Weitere Informationen zur Varroadiagnose mit Puderzucker...

Clip&Close Becher von Emsa: Deckel ausschneiden, Varroagitter
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nach dem Hineinschütten der Bienen wird das Gitter aufgelegt und ...
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... dem Schnapp-Verschluss geschlossen.
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Puderzucker hineinsieben
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Die Bienen brausen zwar stark, aber sie überleben die Prozedur unbeschadet.
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kräftiges (!) ausschütten des Puderzuckers
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