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Mein Lernprozess mit Einfachbeuten

Die Bienenkiste

Mein Lernprozess mit Einfachbeuten

Letzte Bearbeitung: 22.10.2014
© Erhard Maria Klein (alle Rechte vorbehalten)
Quelle: www.bienenkiste.de


(Zusammenfassung eines Vortrags von Thomas Radetzki beim Einfachbeuten-Workshop am 20.11.2010 in Rosenfeld. Protokolliert von Ulrich Hampl, SÖl-Seminarbauernhof Gut Hohenberg.)

Einfachbeuten an der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle: Warré-Beute, Einraumbeute, Bienenkiste. Im Hintergrund: Kanitz-Ring
Einfachbeuten an der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle: Warré-Beute, Einraumbeute, Bienenkiste. Im Hintergrund: Kanitz-Ring

Thomas Radetzki hatte viel mit Bienenkörben experimentiert, weil ihn der Stabil-Naturbau interessierte. Mit ersten Lüneburger Stülpern im Garten seines Vaters im Ruhrgebiet machte er die Erfahrung, dass bei voll bebrüteten Körben kaum Platz für Honigvorräte war. Deshalb musste regelmäßig massiv für den Winter aufgefüttert werden. Die Varroamilbe war damals (vor 1980) allerdings noch kein Problem.

Das Ziel

An der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle war dann das Ziel, eine möglichst wesensgemäße, für die Bienen stressarme Bienenhaltung aufzubauen.

Eine Idee war, Bienenvölker mit wenigen Eingriffen extensiv in Beuten mit Stabilbau zu halten, um daraus Naturschwärme zu gewinnen, die dann, einlogiert in Mobilbausysteme mit Naturwaben, zu „Ertragsvölkern“ werden sollten. Beim Aufbau dieses Parallel-Systems der Völkerführung hatte er zwei Schlüsselerlebnisse:

  1. Die Umstellung auf Naturwabenbau in Rähmchen gelang erst befriedigend im Zusammenhang mit der Vermehrung über nackte Völker (am besten Naturschwärme oder vorweggenommenen Schwärme).
  2. Die zweite Grunderfahrung war, dass der zunehmende Varroadruck in den Bienenkörben schwerer in den Griff zu bekommen war als im Mobilbau. Die Bienen sind in der Lage, die Verdunstungsdämpfe der Ameisensäure aus den Wabengassen weitgehend herauszuhalten und aus dem Stock herauszufächeln, also das Kleinklima in den Gassen so zu kontrollieren, dass eine sichere Varroabehandlung schwierig wird.

Erfahrung mit Bienenkörben


Alemannische Drehrumpf
Thomas Radetzki baute dreißig vergrößerte „Alemannische Drehrümpfe“ auf hohen Holz-Böden (Varroa-Kontrolle mit Windel möglich), deren Volumen vergleichbar mit ca. 1,5 bis 2 Zander-Zargen ist. Zusätzlich, insbesondere um die späte Waldhonigtracht zu ernten und aus dem Wintersitz herauszuhalten, wurden Holz-Honigräume auf einem Spundloch oben aufgesetzt. Damit dies funktioniert, muss dieser Honigraum mit Leerwaben bestückt sein, am besten teilweise honigfeucht, und ein Leerwabenstück als „Brücke“ im Spundloch sitzen. Zur Stabilisierung des Wabenwerks in diesen recht großen Körben wurden die Körbe erst nach dem Ausbau der Waben „gespeilt“, weil vorher gesetzte Speile den Wabenbau zu sehr unterbrechen.

Kanitz-Ringe, Christ´sches Magazin

Weitere Versuche wurden mit „Kanitz“-Ringen mit aufliegenden Oberträgerleisten (ähnliches Prinzip wie Warré-Beute) gemacht, bei denen zur Erweiterung weitere Ringe untergesetzt werden. Bei diesem Untersetzen eines leeren Raumes gab es aber immer eine Verzögerung, bevor die Bienen den unteren Raum angenommen und ausgebaut haben. Deshalb baute er dann schlankere „Kanitz“-Ringe mit 7 Waben ohne Oberträger, damit die Waben sicher am Rand angebaut werden. Die „Honigring“-Abtrennung erfolgte per Durchschneiden mit Draht zwischen den aufeinander gesetzten Ringen. Die Proportionen voll entwickelter Völker waren jedoch unbefriedigend, ebenso wie bei Versuchen mit Christ´schen Magazinen.

Trogbeuten

Vor allem die Probleme mit der unbefriedigenden Varroabehandlung bewirkten dann eine Abkehr von der systematischen Weiterarbeit mit Stabilbausystemen in Bienenkörben. Gesund überwinternde Korbvölker kamen am Beginn der Frühtracht in Schwarmstimmung. Durch die standortbedingte Trachtlosigkeit im Sommer mussten dann nicht nur die Schwärme, sondern auch die abgeschwärmten Muttervölker gefüttert werden.
Über viele Jahre wurden dann etwa 150 Völker überwiegend in Trogbeuten mit halbhohen Honigaufsätzen und dem Brutraumwabenmaß der schwäbischen Lagerbeute gehalten. Die 17 Hochwaben von 37 × 27 cm im Brutraum hatten optimale Dimensionen für Naturwaben ohne Drahtung oder andere Stabilisierung.

Entwicklung der Einraumbeute (ERB)

Auf dem Weg zu einer einfacheren Völkerführung wurde gemeinsam mit Utto Baumgartner und Uwe Bodenschatz die Mellifera-Einraumbeute entwickelt. Sie ist ein Horizontalbeute ohne Aufsatz, in dem der Honig neben dem Brutnest abgelagert wird. Das Konzept ähnelt der Top Bar Hive (TBH). Es werden aber Rähmchen statt Oberträger verwendet. Diese ermöglichen eine größere Wabenfläche und höhere Stabilität der Waben als bei der TBH. In der ERB befinden sich 21 große Hochwaben (Dadant-Maß aufrecht). Sie ist als Mobilbau-Beute angenehm zu bewirtschaften und sowohl für intensivere als auch extrem extensive Betriebsweisen geeignet.

Entwicklung der Bienenkiste

Zunehmende Anfragen von Menschen, die mit der Bienenhaltung aus Naturschutzgründen beginnen wollen, ohne den Honigertrag in den Vordergrund zu stellen, brachten Thomas Radetzki erneut auf die Suche nach „Einfachbeuten“. Hierbei stieß er auf den Krainer Bauernstock, den er gemeinsam mit Erhard Maria Klein zur „Bienenkiste“ weiterentwickelte.