Über den Autor

Marcus Haseitl, Bad Grönenbach/Allgäu: Nach Fachschullehrertätigkeit inzwischen als pädagogischer Berater in der Behindertenhilfe angestellt; freiberufliche Unterrichtseinheiten zur Bienenthematik und naturpädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche, Workshops für Erwachsene;
imkert vorwiegend auf Dadant-Magazinen mit 20 Bienenvölker und ist Vorstand im örtlichen Imkerverein.

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Die Bienenkiste im Einsatz mit Kindern
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Brutwaben für Unterrichtszwecke
Brutwaben der Bienenkiste im Unterricht

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Die Bienenkiste im Unterricht mit Kindern

Die Bienenkiste

Die Bienenkiste im Unterricht mit Kindern

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011
© Erhard Maria Klein (alle Rechte vorbehalten)
Quelle: www.bienenkiste.de


von Marcus Haseitl

Bienenkiste in der Schule
Aufgrund ihrer Konstruktion und Betriebsweise bietet die Bienenkiste besondere Möglichkeiten beim Einsatz in der Schule bzw. im Kindergarten: Der Blick auf den ganzen Bien wird ermöglicht, den Schülern eröffnet sich ein schrittweiser Einblick auf das Bienenvolk, die Bienen sind auffallend ruhig, wie auch Zeit- und Kostenaufwand bei dieser Form der extensiven Bienenhaltung gering sind. Da die Betriebsweise der Bienenkiste als mobiler Stabilbau oftmals noch wenig vertraut ist, werden nachstehend einzelne Schritte im Detail beschrieben, um die methodischen Möglichkeiten konkreter aufzuzeigen.

Einblick in das ganze Bienenvolk und das Erleben der Arbeiterinnen

Bienen üben auf Kinder in der Regel eine starke Faszination aus, zum anderen ist aber oftmals auch Ängstlichkeit vor diesen Stechimmen vorhanden. Mit der Bienenkiste können Kinder diese Hemmung schrittweise überwinden. In dem zuerst die Rückwand entnommen wird eröffnet sich in der Zeit mit unbelegten Honigraum bzw. im ganzen ersten Betriebsjahr das ganze Bienenvolk über den schmalen Spalt unterhalb des Trennschieds. Die Unterkanten der Brutraumwaben sind auf der vollen Breite einsehbar. Selbst ohne Rauchgabe fliegen dabei nur vereinzelt Bienen über die geöffnete Rückseite heraus. Wenn die Unterkanten dicht mit Bienen besetzt sind, kann mit leichter Rauchgabe zum einen vermittelt werden, dass Bienen beeinflussbar sind, gelenkt werden können. Zum anderen wird damit im ersten Schritt der direkte Blick auf das Wabenwerk schon möglich.
Solange die Waben des Brutraums noch nicht an das Trennschied angebaut sind, kann nun das Trennschied problemlos entnommen werden. (Sollte dieser Schritt bei Wabenverbau mit dem Trennschied methodisch gewünscht sein, kann im Vorfeld das Wabenwerk in gekippter, geöffneter Stellung mit dem Stockmeißel vom Trennschied getrennt werden.) Der Wabenkorpus mit aufsitzenden Bienen zeigt sich nun im vollen Querschnitt. Es fliegen immer noch wenig Bienen über die geöffnete Rückwand heraus. Mit Rauchgaben kann das vorher beschriebene Verhalten der Bienen auf größerer Fläche gezeigt werden. Um den Schülern für diese beiden ersten Eindrücke einen besseren Blickwinkel zu verschaffen, kann die Bienenkiste hinten angehoben werden und ein Stützholz an der Bodenleiste eingefügt werden.
Die dritte Ebene des Einblicks wird in gekippter Stellung und mit entnommenen Bodenbrett ermöglicht. Hier zeigt sich nun das Bienenvolk auf der vollen Fläche der Bienenkiste, mit Blick von unten in die Wabengassen hinein.
Die Bienen bilden dabei in der Regel einen dichten Pelz um die unteren Wabenkanten. Mit Rauchgaben kann das Bienenverhalten wie auch das Wabenwerk nun aus direkter Nähe betrachtet werden. In diesem Betrachtungsstadium fliegen nun mehr, aber nicht übermäßig Bienen auf. Je länger nun die Bienenkiste in gekippter Stellung steht, desto mehr heimkehrende, fluglochsuchende Bienen fliegen umher. Aufgrund ihrer Irritation setzen sie sich ruhig in der Nähe ab und können so im Detail beobachtet werden, vom Pollenhöschen bis zum ausgestreckten Saugrüssel. Bei guter Trachtlage ist diese Option besonders häufig möglich.

Weitere Erlebnismöglichkeiten

Gerade bei einem neu eingeschlagenen Naturschwarm kann der Bautrieb und der organisch wachsende Wabenkörper in beeindruckender Weise dreidimensional beobachtet werden. Dazu muss die Bienenkiste gar nicht gekippt werden, sondern es genügt hier schon der Blick über die Rückseite bei herausgenommenen Trennschied. Der Nachteil, dass Wabenkörper nicht direkt in die Hand genommen werden können, kann z.B. dadurch kompensiert werden, dass bei der ersten Honigernte eine Wabe nicht zerschnitten wird, sondern den Bienen als Futter gereicht wird. Dadurch erhält man eine Leerwabe für Demonstrationszwecke. Ebenso kann bei der Wabenerneuerung im Brutraum vorgegangen werden.
Bei der Brutbeobachtung gibt es Einschränkungen, da die Brutwaben in der Regel nicht entnommen werden. Bei mit Rauch zurückgedrängten Bienen können am unteren Wabenrand zwar gedeckelte Brutzellen gut erkannt werden, die Brutentwicklung auf der Fläche kann nicht beobachtet werden. Am unteren Wabenrand sind nur ab und zu einzelne offene Brutzellen im Madenstadium einsehbar. Gut sichtbar sind dagegen die Brutstadien bei Weiselzellen. Je nach Lage der Weiselzelle kann hier eine Taschenlampe hilfreich sein.

Die Honigernte wie auch das Verarbeiten von jährlich ca. einem ¾ kg Bienenwachs zu Kerzen kann genauso im Unterricht integriert werden wie auch der Bau der Bienenkiste selbst im Werkunterricht, da diese relativ einfach zu bauen ist.

Geringer Betreuungs- und Kostenaufwand durch extensive Bienenhaltung

In dem die Betriebsweise der Bienenkiste im Vergleich zu herkömmlichen Betriebsweisen erheblich weniger Eingriffe und Begleitarbeiten vorsieht, ist der Betreuungsaufwand dementsprechend geringer und auch für bisherige Nichtimker überschaubarer. Damit lassen sich Bienen vom Zeitfaktor her auch an solchen Schulen integrieren, bei denen das Bienenthema im Schuljahr nur eine begrenzte Zeit aufgegriffen wird.
Auch das Problem der Ferienzeit (wer betreut während dessen die Bienen) kann mit der Bienenkiste leicht gelöst werden. In den Ferien während der Schwarmzeit wird dann eben keine Schwarmzellenkontrolle durchgeführt. Einziges Risiko dabei ist - sollte in dieser Zeit ein Schwarm abgehen - dass Schüler und Lehrer das besondere Erlebnis eines schwärmenden Bienenvolks versäumen. Der bei anderen Betriebsweisen übliche Auffütterungsaufwand zwischen Ende Juli und September entfällt weitgehend oder im Idealfall sogar komplett, da der eingelagerte Honig im Brutbereich als Wintervorrat dient und eben über den Honigraum nur ein Teil geerntet wird. Auch die angewandte Varroa-Spätsommerbehandlung mit dem Nassenheider-Verdunster reduziert den Betreuungsaufwand Ende Juli/Anfang August auf ein Minimum.
Bezüglich dem Kostenaufwand begrenzt sich die Haltungsmethode der Bienenkiste auf das Notwendigste. Außer der Bienenkiste selbst werden keine weiteren Beutenteile benötigt und damit auch keine Lagerfläche in Anspruch genommen. Da die Honigernte mit einer einfachen Filtertechnik erfolgt, wird auch auf eine Honigschleuder und sonstige Spezialgeräte verzichtet. Als Imkerwerkzeug genügt ein Smoker und ein Stockmeißel.

Persönliches Resümee

Meine erste Bienenkiste habe ich eigentlich als Demonstrationsobjekt für Erwachsene gebaut, die an extensiver Bienenhaltung interessiert waren bzw. sind. Nur durch Zufall habe ich dann mit einer Kindergruppe dieses Bienenkistenvolk geöffnet. Im Vergleich zu meinen früheren Angeboten, an Dadant-Magazinen Bienen in „Rähmchenscheiben“ zu erleben, ist das Heranführen an das Bienenvolk inzwischen viel harmonischer und der Eindruck des ganzen Biens wesentlich einprägsamer. Da die Kinder das ganze Volk im Blick haben, werden sie sicherer und offener, da nichts „Verstecktes“ aus der Kiste kommen kann. Zusammenhänge wie z.B. zwischen den Jahreszeiten und dem Ausdehnen und Zusammenziehen des Biens müssen nicht mehr erklärt werden, sondern werden von den Kindern über das Schauen selbst erlebt. Die durch den Stabilbau auffallend ruhigen Bienen, die friedlich absitzenden Arbeiterinnen geben den Kindern laufend die Möglichkeit, dann auch die Einzelbiene im Detail zu studieren. Dabei verzichte ich grundsätzlich auf Schutzschleier. Viel häufiger und ausdauernder als mit der „Dadant-Rähmchen-Zeigmethode“ gehen dann die Kinder von alleine auf die Suche, wo und was die Bienen z.B. sammeln. Trotz der in meinen Augen einzigen Einschränkung der Brutbesichtigung:

Bei meiner Arbeit mit Kindern und Bienen möchte ich die Bienenkiste nicht mehr missen.