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Fragen & Antworten

Die Bienenkiste

Fragen & Antworten

Letzte Bearbeitung: 03.03.2010
© Erhard Maria Klein (alle Rechte vorbehalten)
Quelle: www.bienenkiste.de


Darf ich so eine Bienenkiste einfach bauen und benutzen, ohne vorher "ein Diplom" abgelegt zu haben?!

Da ja fast alles in Deutschland behördlich geregelt ist, wird das bei der Bienenhaltung ja auch so sein?
Sie schreiben, dass man ein Bienenvolk beim Veterinäramt anmelden muss. Muss man sonst irgendetwas formales tun oder beachten? Oder können wir in unserem Garten nach Absprache mit unseren Nachbarn "einfach so" eine Bienenkiste aufstellen, uns über die Website, Bücher usw. erste Kenntnisse aneignen und über die Schwarmbörse o.ä. einen Schwarm zu uns holen?

Die einfache und schnelle Antwort laute: „Ja“ - man darf das so einfach. Um Bienen zu halten muss man keine Kenntnisse nachweisen und braucht keine Genehmigung. Sofern die Bienen so aufgestellt werden, dass sie niemanden belästigen (das ist i.d.R. kein Problem), kann Ihnen das niemand verbieten.

In manchen traditionellen Imkerkreisen ist unser Konzept aber ein „rotes Tuch“. Man befürchtet, dass nun zu tausenden unqualifizierte Leute anfangen, Bienen zu halten und entweder durch mangelnde Betreuung Bienenkrankheiten Vorschub leisten oder zumindest durch ihre Überforderung ständig Hilfe bei den örtlichen Imkern suchen, die dann die „Kartoffeln aus dem Feuer holen“ müssen.
Sie würden selbstverständlich und dringend dazu raten, zunächst mal einen traditionellen Imkerkurs zu machen, der über eine Bienensaison (i.d.R. von April bis September) läuft und das Imkern in einem Magazin-Bienenkasten lehrt.

Wir sehen das etwas anders – sonst hätten wir dieses Angebot ja gar nicht entwickelt. Es schadet natürlich nicht, einen Imkerkurs zu machen. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass ein großer Teil des Kurses ganz praktisch eine bestimmte Art der Bienenhaltung lehrt, die relativ kompliziert ist, und die wir mit der Bienenkiste ja gerade überwinden wollen.

In der Bienenkiste werden die imkerlichen Eingriffe auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Entsprechend geringer ist das notwendige praktische Fachwissen für Eingriffe in das Bienenvolk. Abgesehen von den Eingriffen, die im Zusammenhang mit der Honigernte stehen, ist es vor allem die Behandlung gegen die Varroamilbe, die unverzichtbar ist. Und man muss sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass Bienen sich natürlicherweise über Schwärme vermehren und über Winter trotz optimaler Betreuung auch mal eingehen können. Für diese praktischen Fragen liefern wir ausführliche Informationen und Angebote (z.B. Schwarmbörse) auf dieser Website. Wir bauen die Dokumentation beständig aus und berücksichtigen aktuelle Fragen und Probleme der Bienenkisten-Anfänger.

Natürlich muss man bei der Bienenhaltung – wie bei jeder anderen Art der Tierhaltung auch - einige Dinge wissen. Dazu gehört ein gewisses Grundwissen über das Leben, Verhalten und die Fortpflanzung von Bienen. Dieses Grundwissen muss man sich irgendwie selbst aneignen. Da dies nichts bienenkisten-spezifisches ist, behandeln wir es nicht auf dieser Website. Es hängt nun sehr stark von der eigenen Persönlichkeit ab, ob man lieber für sich ein paar Bücher liest, ob man leichter in Gemeinschaft bei einem Kurs oder im praktischen Austausch mit einem erfahrenen Imker lernt.

Neben diesem Grundwissen muss man den praktischen Umgang mit den Bienen erlernen. Wer niemals vor einem offenen Bienenkasten gestanden und z.B. eine Wabe mit Bienen in der Hand gehalten hat, ist verständlicherweise etwas beunruhigt bei dem Gedanken, einen Kasten zu öffnen, in dem einige zehntausend Bienen sitzen:

„Werden die vielleicht alle auf mich zu stürzen, wenn ich etwas falsch mache? Oder meine Nachbarn im Garten nebenan anfallen, die ja keine Schutzkleidung tragen? ...“

Keine Sorge, das machen sie sicher nicht! Aber trotzdem wird man wesentlich entspannter an die Sache heran gehen, wenn man bei seinen ersten Schritten jemanden an der Seite hat, der schon ein paar praktische Erfahrungen gesammelt hat. Das kann ein erfahrener Imker aus Ihrer Region sein oder ein anderer Bienenkisten-Imker, der schon ein paar eigenen Erfahrungen gesammelt hat. Dazu haben wir das Bienenkisten-Netzwerk gegründet. Tragen Sie sich selbst dort ein und suchen Sie nach Gleichgesinnten bzw. Imkerlotsen in Ihrer Nähe!

Es gibt bei der Bienenkiste einen weiteren Grund, warum man „einfach so“ anfangen kann: Im ersten Jahr gibt es nur wenig zu tun, weil die Bienen erst mal das Wabenwerk bauen und Honig für den nächsten Winter sammeln müssen. Weder Honigernte noch Umgang mit Bienenschwärmen ist im ersten Jahr ein Thema. Man muss im ersten Jahr die Kiste fast überhaupt nicht öffnen:

  • Bienenschwarm in die Kiste hinein geben
  • drei Wochen lang mit Zuckerwasser füttern (wird einfach von hinten hinein gestellt – dazu muss die Kiste nicht richtig geöffnet werden)
  • Varroa-Behandlung mit Ameisensäure
  • Honigvorräte abschätzen und ggf. noch etwas Zuckerwasser geben
  • Varroa-Behandlung mit Oxalsäure

Nach dem „Einlogieren“ des Bienenschwarmes muss man die Bienenkiste im ersten Jahr eigentlich nur im Zusammenhang mit der Varroa-Behandlung zwei Mal „richtig“ öffnen. Alles andere kann man über die Klappe auf der Rückseite erledigen, was die Bienen kaum stört.
Man kann also mit der Bienenhaltung anfangen ohne vorher viel zu wissen und hat dann noch Zeit, sich im Laufe des ersten Jahres ein wenig Hintergrundwissen an zu eignen und den praktischen Umgang mit den Bienen zu erlernen. (Muss man aber dann auch wirklich tun!)

Wenn Sie auf diese Weise mit der Bienenhaltung begonnen haben und dann feststellen, dass das doch nichts für Sie ist, dürfen Sie die Bienen aber auf keinen Fall einfach ignorieren (in der Hoffnung, dass der Kasten vielleicht irgendwann leer ist)!!! Unbetreute Bienenvölker können zu einem großen Gesundheitsproblem für die Bienenvölker in der Nachbarschaft werden. Wenn Sie die Bienenhaltung wieder aufgeben wollen, wenden Sie sich an einen Imker in der Nachbarschaft oder verkaufen Sie Ihre Bienenkiste an einen anderen Interessenten!

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